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Latenz

Latenz bedeutet zeitliche Verzögerung. Sie ist in der Musikproduktion in mehrerlei Hinsicht eine entscheidende Größe, die es möglichst niedrig zu halten gilt. Ganz unabhängig von der Quelle breitet Schall sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 340 Metern pro Sekunde (bei Raumtemperatur) aus, was einer Latenz von 2,9 Millisekunden (ms) pro Meter entspricht.

Bei der Wandlung von Audiosignalen (digital zu analog oder umgekehrt) und der Übertragung von Daten (in diesem Fall digitale Audiosignale) entstehen ebenfalls Latenzen. Sie ergeben sich aus der von Soft- und Hardware benötigten Zeit, die Daten zu verarbeiten. Bei der Datenübertragung spielen zudem der Sample-Puffer (engl. Buffer) eine Rolle, die bei Audiokarten überlicherweise im Bereich zwischen 64 und 512 Samples liegen und zu dem Zweck existieren, ein Abreißen des Datenstroms zu verhindern.

In welcher Größe Latenzen tolerabel sind, hängt in hohem Maße vom Anwendungszweck ab. Wird Audio-over-IP z.B. beim Streamen von Audiofiles über das Internet eingesetzt, spielt es für den Nutzer in der Regel keine Rolle, wenn der Sound erst mit zeitlicher Verzögerrung nach Betätigung des Play-Buttons einsetzt. Beim Streamen von Filmen spielt die Latenz ebenfalls keine ausschlaggebende Rolle, solange Bild und Ton synchron sind. Ab einer Latenz von etwa 200 ms im Verhältnis Bild zu Ton werden diese aber als asynchron wahrgenommen.

Auch in der Postproduktion und beim Mastering sind Latenzen oft unproblematisch, solange es eine Latenzkompensation der verschiedenen Spuren gibt, und werden sogar in Kauf genommen, um beispielsweise Linearphasige Filter zu ermöglichen. Kompliziert wird die Lage bei mehrkanaligen Anwendungen, bei Live-Monitoring für Aufnahmen und im Live-Betrieb. Unter Laborbedingungen können Abweichungen von 2 ms vom menschlichen Ohr bereits wahrgenommen werden, ab zehn Millisekunden wird es für das Gehör in jedem Fall kritisch. Audio-over-Ethernet ist deswegen besonders Latzenfrei, da sehr wenige Verarbeitungsschritte notwendig sind, um die Daten zu Übertragen. Bei Audio-over-IP hingegen gibt es naturbedingt mehr Verarbeitungsschritte (bis hin zu Layer 5 im OSI-Modell), was zu einer höheren Latenz führt, die es durch entsprechende Protokollimplementierungen möglichst gering zu halten gilt.

Grundsätzlich gibt es also bei digitaler Übertragung einen Trade-off zwischen Sicherheit der Übertragung und einer möglichst geringen Latenz.

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